Ankunft Agadir
Eigentlich klappte es zu Anfang ganz gut: der LTU-Flieger landete, wie
immer bei Charterflügen wurde eifrig applaudiert und die Kiste fuhr die
letzten Meter bis zur Parkposition.
Wie bei Pauschalfliegern üblich erheben sich auch sofort alle auf
einmal, kaum das die Kiste steht. Es scheint wohl doch ein „geheimes“
Kommando zu geben, denn es erheben sich immer auf allen Charterflügen
alle auf einmal. Habe bisher jedoch noch nicht herausfinden können, wie
man das Kommando erkennen kann. Egal, wir bleiben erst mal sitzen und
sehen zu, wie sich die Leute gegenseitig im Weg stehen und alle
gleichzeitig versuchen, ihr Handgepäck aus den Ablagen zu ziehen. Dann
passiert einige Minuten nichts, da alle dichtgedrängt im Gang stehen und
darauf warten, dass sich die Türen öffnen. Mit Befriedigung kann man mit
zunehmender Dauer bereits zahlreichen Gesichtern entnehmen, dass die
erste Urlaubsfreude aufgrund des nervigen Gedrängels und Schupsens schon
etwas gelitten hat. Dann öffnen sich doch schließlich die Türen und in
kleinen Trippelschrittchen bewegt sich die Masse Richtung Ausgang.
Nachdem das größte Gedränge den Weg nach draußen gefunden hat, schnappen
wir auch unsere Klamotten und gehen raus. Es geht eine Treppe runter und
rüber zum Bus, der wartet, bis keiner mehr reinpasst. Es geht sage und
schreibe 50 Meter bis zum Terminal, dann öffnen sich die Türen wieder
und man kommt in die „Empfangshalle“ hinein. Dort hatten sich vor den
zahlreichen Schaltern schon lange Schlangen gebildet. Ok, das kennt man
ja auch von anderen Flughäfen.
Hier in diesen erhabenen Hallen bekommt man also den Stempel in den Pass
gedrückt. Was sich so einfach anhört, ist verwaltungstechnisch
wahrscheinlich doch ein hochkomplexer und somit zeitintensiver Vorgang.
Vermutlich hat die deutsche Verwaltung Amtshilfe bei der Einführung des
Systems geleistet: wir haben eine Stunde in der Schlange gestanden!
Nachdem wir dann endlich durch die Kontrolle durch waren haben wir unser
Gepäck eingesammelt. Als Rucksackreisender bekommt man normalerweise
immer zuletzt sein Gepäck – scheint ein ungeschriebenes Gesetz aller
Airlines zu sein erst alle Koffer und Pakete auszuladen bevor die
Rucksäcke dran sind. Da wir aber lange genug mit der Passabfertigung zu
tun hatten, zogen unsere Ruckies wohl schon einige Zeit ihre Bahnen auf
dem Laufband und wir konnten sie direkt in Empfang nehmen. Der Ausflug
in den Duty-free-Laden fiel aus (geschlossen), also machten wir uns auf
den Weg zum Ausgang. In Erwartung einer auf Touris wartenden
Schlepperansammlung gingen wir durch den Zollbereich und waren
überrascht: kein einziger, der uns ein Hotel, Taxi, Ausflug oder schon
die ersten Souvenirs (alles schon erlebt) vermitteln oder verkaufen
wollte, ließ sich blicken. Ist mir vorher noch nie passiert und von
daher war ich erst mal baff. Scheinbar kommen zu wenig Rucksackreisende
hier an, die nicht vom Neckermann-Bus nebst Reiseleitung erwartet
werden. Vielleicht haben auch die Behörden durchgegriffen, wer weiß?
Zunächst mal Geld wechseln. Im Internet hatte ich tags zuvor noch einen
Blick auf die aktuellen Kurse geworfen (www.oanda.de). Die Wechselstuben
in der Vorhalle des Terminals boten auch die „amtlichen“ Kurse, ohne
Kommission oder ähnliches zu nehmen. Sie nahmen allerdings
ausschließlich nur Bargeld an, keine Reisecheques. Davon stand mal
wieder nichts im Reiseführer, zum Glück hatten wir aber noch einiges in
bar dabei. Wir gingen anschließend hinaus und sind knapp 500 Meter die
Straße entlang bis zur Kreuzung zur Hauptstraße gelaufen, an der sich
laut unseres Reiseführers die Bushaltestelle befinden sollte.
Es gibt nur eine Straße, die zum Flughafengebäude führt bzw. von dort
ausgeht. Insofern kann man sich nicht verlaufen. Kinder begleiten einen
und bieten an, den Weg zu zeigen. Sie hoffen natürlich darauf, dass man
für ihre Dienste etwas springen läßt. Es warteten bereits einige Leute
auf den Bus, insofern war die Bushaltestelle auch nicht zu verfehlen.
Ein Schild oder ähnliches gibt es allerdings nicht. Während wir so
warteten kamen noch einige Taxis vorbei, die uns zu überhöhten Preisen
(400 statt 150 Dirham) gerne mitgenommen hätten. Da angeblich alle 20
Minuten ein Bus vorbeikommen sollte, verzichteten wir dankend auf ihre
Angebote. Es dauerte jedoch noch 45 Minuten, bis ein Bus vorbei kam. Na
ja, gut, es war ein Blechhaufen, der noch fahren konnte. Nicht schnell,
aber besser schlecht gefahren als gut gelaufen.
Wir wollten zunächst bis Inezgane und von dort weiter nach Essaouira
fahren. Für die paar Kilometer bis zum zentralen Busbahnhof brauchte der
Bus wieder 45 Minuten, ok, dafür kostete er ja auch nur 3 Dh., also
umgerechnet knapp 60 Cent, die während der Fahrt eingesammelt wurden.
Wer will da schon meckern? Am Busbahnhof hatten wir Glück: wir
erwischten sofort einen Bus, der gleich losfahren würde. Ein kurzer
Sichtcheck: die Karosse schien noch stabil, Profil war auch auf den
Reifen drauf, noch 5 Dh pro Rucksack gezahlt, dann ging es auch schon
los. Allerdings nicht sehr weit: der Bus fuhr doch noch erst nach Agadir
rein und dort kreuz und quer zu zwei Stationen, bei denen noch einige
Leute zustiegen. Eigentlich sollte es ja anders laufen: die Busse fahren
von Agadir nach Inezgane und von dort weiter zum Zielort. Tja, soviel
zur Theorie. Nach eineinhalb Stunden ließen wir die Stadt endlich hinter
uns. Unterwegs wurde noch eine halbe Stunde Pause eingelegt, endlich,
knapp 5 Stunden nach Abfahrt, erreichten wir Essaouira. Von dort bis zum
Flughafen Agadir sind es ja auch immerhin 150 Km ...
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