Anfahrt
Wir starteten bei schönem Wetter. Die Rucksäcke waren
gepackt und auf dem Soziussitz festgeschnallt, der Tank war voll, es konnte losgehen.
Über die A 61 ging es Richtung Süden. Abgesehen von einem Stau auf dem Kölner Ring
kamen wir auch recht gut voran, wenngleich wir mit "nur" 120 Sachen unterwegs
waren. Wir wollten nicht allzu schnell fahren, um unsere Reifen zu schonen. Meine Conti
sind recht grobstollig und ich wollte nicht mit schon halb abgefahren Reifen in Afrika
landen. Insofern ging es "gemächlich" auf Tour. Per gelegentlichen Tank- und
Raucherpausen kamen wir zunächst bis Freiburg. Kurz vor der Grenze, in Weil am Rhein,
verließen wir die Autobahn und schauten nach einem Hotel für die Nacht. In Basel war
allerdings internationale Schmuckmesse und so war hier alles restlos ausgebucht. Wir
fuhren also weiter, rein in die Schweiz. Die Autobahnvignette bekommt man direkt bei der
Einreise. Das Ticket kostet 40 Sfr der 30 Euro. Aber selbst in Ruthriest, knapp 30
Kilometer hinter Basel, war noch immer nichts zu bekommen. Am Hotel Ibis sagte man uns,
dass in Luzern noch Zimmer frei wären. Wir fuhren also noch 50 Kilometer bis dorthin. In
Luzern sind wir nach der Autobahnabfahrt natürlich falsch abgebogen (nach rechts) und
somit ging es erstmal auf die Suche nach dem Hotel oder einem anderen. Erst nach einer
halben Stunde fanden wir es. Es verfügt über einen praktischen 24 Stunden Service, man
kann also jederzeit einchecken. Ist allerdings nicht ganz billig: 120 Sfr für ein
Doppelzimmer mit (umfangreichem) Frühstück. Die Mopeds konnten wir in der Tiefgarage
abstellen.
Am nächsten Morgen schien zunächst noch die Sonne. Nach
einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Gotthardtunnel. Entgegen
meiner Befürchtung, die Luft könnte innerhalb des 17 Km langen Tunnels zu einem Problem
werden, ging es recht gut hindurch.
Auf der anderen Seite angekommen stellte man begleitet von einem "Ach Du Sch..."
fest, dass es mit dem guten Wetter vorbei war. Nach Ende des Tunnels wurden wir von
Kälte, tiefen Wolken und Schnee empfangen. Na prima! Der Asphalt war jedoch noch gut zu
befahren. An der nächsten Raststätte hielten wir an. Marcus kaufte kurz Zigaretten ein
(fast gleicher Preis wie in Deutschland) und holte anschließend seinen Regenkombi aus dem
Rucksack. Tja, mein Rucksack ist deutlich kleiner wie seiner und so ist der Regenschutz
der Streichliste zum Opfer gefallen.
Nun ja, Augen zu und durch.
Bis zur italienischen Grenze hin, war das Wetter aber noch ok. Gelegentlich fielen ein
paar Tropfen, das war es aber dann auch. Kaum an der Grenze angekommen änderte sich das
dann. Die Wolkenschleusen öffneten sich und mit reduzierter Geschwindigkeit fuhren wir
weiter. Dreimal sollten wir bis Genua an Mautstationen kommen. Die linken Fahrspuren sind
dabei jeweils für Karteninhaber ausgelegt. Diejenigen, die bar bezahlen, müssen sich
rechts einordnen.
In der Po-Ebene tauchte dann irgendwann ein Hinweisschild auf McDonalds auf, das wir dann
ansteuerten. Auf dem Parkplatz angekommen stellten wir fest, dass sich das Gebäude auf
der anderen Seite der Autobahn befindet. Ein kleiner Fußweg führt unter der Autobahn
dorthin. Da in diesem Moment keine Leute unterwegs waren, fuhren wir kurzentschlossen mit
den Mopeds zur anderen Seite und legten erstmal eine Pause ein. Danach ging es dann weiter
Richtung Süden.
Kaum waren wir wieder auf der Autobahn fing es wieder heftig an zu regnen an, klar, mögen
wir doch als Mopedfahrer, oder nicht?. Es wurde recht gebiergig und somit auch kurvig und
wir fühlten uns alles andere als sicher mit unseren Schluffen auf dem Asphalt. Der
Verstand trichterte einem immer wieder ein, hier bloß keinen Abgang machen, So sind wir
die letzten Kilometer einem mit ca. 50 Sachen fahrenden Lkw hinterher gefahren. Wir kamen
in die ersten Vororte von Genua und hielten uns in Richtung "Centro", kamen dann
nochmal an einer Mautstation heran und gelangten kurz darauf auf die Hochstraße Richtung
Osten.
Die Hochstraße führt direkt an dem langezogenen Hafen vorbei. Na prima, bei der Größe
des Hafenareals schien die Suche nach dem richtigen Kai auch keine einfache Sache zu
werden. Ich konnte jedoch an einer Stelle ein rotes CTN-Schild ausmachen und dachte mir
schon, dass es dort sein könnte.
Es war noch immer voll am regnen und wir wollten uns zunächst ein Hotel zur Übernachtung
suchen. Nach dem Ende der Hochstraße fuhren wir noch ein Stück weiter und kamen zu zwei
Hotel-Reklameschilder, die uns nach links in eine kleine Straße schickten. Wir fuhren
nach dem Abbiegen direkt auf das Hotel Nettuno zu (N 4423489, E00858329). Doppelzimmer gab
es nicht mehr. Die Einzelzimmer sollten 35 Euro pro Nase (ohne Frühstück) kosten. Na ja,
ein bischen viel für die einfache Ausstattung. In Anbetracht des saumäßigen Regens
hatten wir uns aber schnell entschieden, uns dort einzuquartieren, zumal wir die Kisten in
der unter dem Haus befindlichen Garage sicher abstellen konnten. Laut Preisliste im Haus
sollte das zwar nochmal 10 Euro extra kosten, aber in Rechnung gestellt wurde es uns
nicht.
Wir blieben also dort und schlüpften erstmal aus den Klamotten raus, schliefen ein
Stündchen und gingen dann am Meer ´ne Pizza essen.
Auf der Fähre
Wir hatten zuhause bereits zwei Tickets für die Carthage gebucht. Am nächsten Tag hatten
wir kein Problem, den Kai zur Fähre zu finden. Wie ich es mir bereits gedacht hatte, war
es an der Stelle, wo das CTN-Schild auf dem Hafengebäude steht (N4424817, E00854833). Wir
kamen an zwei Wärterhäuschen heran und legten unsere Tickets vor. Wir bekamen
anschließend die Papiere zur Fähre. Jetzt hieß es nur noch auf die Fähre warten.
Wir schauten uns um, wer sonst noch so alles mitfahren würde. Es waren jedoch erstaunlich
wenig andere Mopedfahrer dort. Lediglich 11 Leute auf 10 Bikes, die ohne Reisegruppe
unterwegs waren. Die Wartezeit nutze man, um die anderen kennen zu lernen . Also die
"typischen" Fragen: was habt ihr vor? Wo wollt ihr hin? Tipps, Infos,
Technikdiskussion, etc..
Gegen 15:00 Uhr lief dann die Carthage auch endlich ein. Es dauerte dann nochmal über
eine Stunde, bis die an Bord befindlichen Fahrzeuge das Schiff verlassen konnten und man
uns dann auffahren ließ. Da wir die ersten an Bord waren, konnten wir hinsichtlich der
Spanngurte, die das Bordpersonal in Einkaufswagen bereit stellte, noch aus dem Vollen
schöpfen. Es waren jedoch ausreichend Gurte vorhanden um noch ein viellfaches an Bikes zu
verzurren. Alle aber meist recht schmutzig und ölgetränkt. Also Handschuhe parat halten
oder sich drauf einrichten, dass auf der Kabine erst mal gründliches Händewaschen
angesagt ist. Die Mitglieder der Crew sind beim verzurren sehr hilfsbereit und wenn man
mit der Verschlusstechnik nicht klar kommt (Physik-Leistungskurs oder Technik-Vordiplom
ist hilfreich), helfen sie einem sofort. Über ein Trinkgeld freuen sie sich natürlich!.
Auf der Bordkarte sind zwei Zahlen eingetragen: die erste 4-stellige gibt mit der ersten
Zahl das Deck und mit den restlichen drei Zahlen die Kabinennummer wieder. Die zweite Zahl
ist der "Securitycode". Für die Kabinen bekommt man keinen Schlüssel, sondern
öffnet sie durch drücken der "Geheimnummer". Ist insofern praktisch, da man
gleich nach dem Verzurren der Kiste gleich zur Kabine durchstarten kann.
Über die Kabinen wie auch den Rest des Schiffes war ich erstaunt. Ich hatte mir vor der
Tour einen eher recht spartanisch eingerichteten Dampfer vorgestellt. Wurde jedoch sehr
positiv überrascht: das Schiff gestaltet sich schon eher als "halbes
Kreuzfahrtschiff" denn als "primitive" Fähre. Ok die Einrichtungsfarbe der
Kabinen ist eher am "arabischen" Geschmack ausgerichtet (Lila und Pink,
uääääh!), aber ansonsten kann es auf Kreuzfahrtschiffen auch nicht viel anders
aussehen. Es gibt eine Rezeption, 3 Restaurants und mehrere Bars. Das
Selbstbedienungsrestaurant hat 2 Menüs zur Auswahl, schmeckten jedoch beide recht
dürftig und waren mit 4,90 Euro zu teuer. Eine Dose Bier kostet 2, eine Cola 1,60 und ein
Kaffee 1,10 Euro. Im Duty-Free-Shop ist die Stange Marlboro zu 19, L&M zu 12 Euro zu
haben. Süßigkeiten und andere Artikel sind deutlich teurer als in Deutschland bzw.
Italien. Eine Wechselstube gab es nicht.
Den Abend verbrachten wir mit den anderen Mopedfahrern bei einigen Dosen Heineken. Erst um
21:20 legte das Schiff Richtung Afrika ab.
Habe mir dann schnell Reisetabletten reingeworfen. Eine längere Schiffsfahrt ist für
mich eigentlich ein "Horror". Auch wenn es nur wenig bzw. ganz langsam auf und
ab schauckelt, mein Magen kann das überhaupt nicht haben und ohne Medizin wäre ich die
ganze Zeit nur damit beschäftigt gewesen, die Fische zu füttern. Die Vomex A, die mir
meine Schwester mitgegeben hatte, wirkten jedoch sehr gut, trotzdem das Schauckeln auf dem
Schiff teilweise heftiger wurde und ein Marsch durch die Gänge ausgesehen haben muss, als
hätte ich mindestens 2 Promille intus...
Die Formalitäten hatten wir noch abends erledigt, allerdings erst, nachdem der große
"Run" vorbei war. Man braucht sich also nicht zu beeilen. Entweder arbeitet man
sich spät abends durch den Papierkram (die Schalter waren noch bis Mitternacht geöffnet)
oder am nächsten Tag. Man muss sich also nicht in lange Schlangen einreihen.
Das Prozedere ging wie folgt: man braucht 3 Zettel, einen blauen fürs Moped, einen
größeren weißen auch fürs Moped und einen kleineren weißen für seine eigene
Wenigkeit. Vordrucke liegen bei den Schaltern bzw. am Fenster bei den Schaltern aus.
Die Zettel füllt man aus und geht mit allen Papieren (Pass, grüne Versicherungskarte,
Fahrzeugschein, etc.) los. Zunächst zur Polizei (kleiner Tisch an der Bordwand
Steuerbordseite). Ich habe immer alle Papiere vorgezeigt, die Leute suchten sich dann das
für sie passende heraus. Dann geht es zum Zoll (Schalter mit 3 PCs). Dort legt man die
Papiere beim ersten Zöllner wieder vor. Der gibt sie nach der Bearbeitung seinem Kollegen
(in diesem Fall der "Außenkollege"), von dem man einen Computerausdruck erhält
(unbedingt auf den Ausdruck warten!). Das war´s. Alle Papiere sind natürlich unbedingt
aufzubewahren. Einen internationalen Führerschein wollte keiner sehen, die grüne
Versicherungskarte dagegen schon.
Die Nacht konnte ich trotz des Schauckelns gut schlafen, am anderen Morgen wurde mir dann
schlecht (würg!). Nachdem ich jedoch eine Tablette eingeworfen hatte, beruhigte sich mein
Magen wieder. Das Frühstück im Selbstbedienungsrestaurant fiel nicht sehr üppig aus:
ein Stück Brot mit Butter und Konfitüre, ein Stück festen Kuchen, einen Plastikbecher
Kaffee, macht zusammen 1,90 Euro.
Da die Fähre recht spät gestartet war, sollten wir natürlich auch mit Verspätung in La
Gouletta ankommen. Man kommt von der Fähre zunächst zur Passkontrolle. Anschließend
reiht man sich in eine der überdachten Schlangen beim Zoll ein. Dazwischen ist ein
Bankschalter, an dem man Geld zum landesüblichen Kurs wechseln kann (verpasst man diese
Gelegenheit oder ist er geschlossen, muss man zunächst den Formalitätenkram erledigen,
fährt dann aus dem Verwaltungsbereich rd. 200 Meter bis zur Straße heraus, rechts, ca.
500 Meter die Straße entlang, wieder rechts. Man gelangt zum Fussgängereingang der
Fähre. Ein steiler Gang führt auf ein Gebäude hinauf, innen gibt es dann eine weitere
Geldwechselgelegenheit zu landesüblichen Kursen).
Ein Zöllner klapperte nacheinander uns Mopedfahrer ab, die wir uns in einer Reihe
eingegliedert hatten. Ich hatte alle Papiere in meinen Pass gelegt und er bzw. seine
nachfolgenden Kollegen fischten sich diejenigen Papiere heraus, die sie brauchten. Die
Zöllner warfen jeweils einen kritischen Blick auf unsere Mopeds. Erst durch einige
Jeepfahrer erfuhren wir, dass sie nach GPS-Geräten bzw. Halterungen für diese suchten.
Es gibt wohl offensichtlich eine neue Regelung, dass die Einfuhr von GPS-Geräten
(umständlich und zeitaufwendig) beantragt werden muss bzw. die Geräte beim Zoll
abgegeben werden müssen. Hatte allerdings nur einen kleinen Handempfänger bei mir, den
ich zum Glück auch noch im Gepäck verstaut hatte. Ich kam somit unbeschadet durch den
Zoll. Was am Ende des Prozederes an Papieren übrig bleibt, wird für die Rückfahrt
gebraucht und ist natürlich gut aufzubewahren.
Einer aus unserer Gruppe hatte seinen Reisepass zu Hause vergessen und konnte nur seinen
Personalausweis präsentieren. Was bei einem Neckermann-Pauschaltouri kein Problem ist,
entpuppte sich hier als "Herausforderung" Ohne Hotelreservierung keine Einreise
per Moped! Seine Freundin zog also los und besorgte in einem Hotel in Tunis eine
Zimmerreservierung für 3 Tage. Insgesamt dauerte das ganze Prozedere einige Stunden,
nicht zuletzt aber auch deswegen, weil die Zöllner untereinander jeweils
unterschiedlicher Meinung waren, was in welcher Reihenfolge zu passieren hatte.
Hammam Lif
Letztendlich war unsere Gruppe, zu der wir uns an Bord verabredet hatten, komplett und wir
konnten starten. Da es bereits dunkel wurde fuhren wir jedoch nur noch bis zu einem
Campingplatz, auf dem wir übernachteten. Marcus und ich hatten kein Zelt dabei, konnten
dort allerdings für 15 TD einen "Bungalow" mieten. Allerdings: die Matratzen
waren in einem erbärmlichen Zustand, das gleiche betraf auch die sanitären
Einrichtungen. Und es gab jede Menge Mücken. Das allein wäre ja noch kein Problem
gewesen, aber da Tunesien als malariafrei gilt, hatten wir aus Platzgründen auf ein
Moskitonetz verzichtet. Es wurde also eine "fröhliche" Nacht ...
Am nächsten Morgen fuhren Marcus, Gunter und ich los Richtung Sbeitla. Schien zu Anfang
noch die Sonne, so verdichteten sich die Wolken mit der Zeit. Nachdem wir die richtige
Straße Richtung Kairouan gefunden hatten, kamen wir mit durchschnittlich 110 Sachen recht
zügig voran. Unterwegs einige Male kurz angehalten, entweder um einen Kaffee einzuwerfen,
bzw. einmal auch um die Regenklamotten rauszuholen. Es gab jedoch nur einmal kurz ein
Schauer und danach blieb es trocken.
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