Tunesien - Tour April/Mai 2004

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Anfahrt


Wir starteten bei schönem Wetter. Die Rucksäcke waren gepackt und auf dem Soziussitz festgeschnallt, der Tank war voll, es konnte losgehen. Über die A 61 ging es Richtung Süden. Abgesehen von einem Stau auf dem Kölner Ring kamen wir auch recht gut voran, wenngleich wir mit "nur" 120 Sachen unterwegs waren. Wir wollten nicht allzu schnell fahren, um unsere Reifen zu schonen. Meine Conti sind recht grobstollig und ich wollte nicht mit schon halb abgefahren Reifen in Afrika landen. Insofern ging es "gemächlich" auf Tour. Per gelegentlichen Tank- und Raucherpausen kamen wir zunächst bis Freiburg. Kurz vor der Grenze, in Weil am Rhein, verließen wir die Autobahn und schauten nach einem Hotel für die Nacht. In Basel war allerdings internationale Schmuckmesse und so war hier alles restlos ausgebucht. Wir fuhren also weiter, rein in die Schweiz. Die Autobahnvignette bekommt man direkt bei der Einreise. Das Ticket kostet 40 Sfr der 30 Euro. Aber selbst in Ruthriest, knapp 30 Kilometer hinter Basel, war noch immer nichts zu bekommen. Am Hotel Ibis sagte man uns, dass in Luzern noch Zimmer frei wären. Wir fuhren also noch 50 Kilometer bis dorthin. In Luzern sind wir nach der Autobahnabfahrt natürlich falsch abgebogen (nach rechts) und somit ging es erstmal auf die Suche nach dem Hotel oder einem anderen. Erst nach einer halben Stunde fanden wir es. Es verfügt über einen praktischen 24 Stunden Service, man kann also jederzeit einchecken. Ist allerdings nicht ganz billig: 120 Sfr für ein Doppelzimmer mit (umfangreichem) Frühstück. Die Mopeds konnten wir in der Tiefgarage abstellen.

Am nächsten Morgen schien zunächst noch die Sonne. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Gotthardtunnel. Entgegen meiner Befürchtung, die Luft könnte innerhalb des 17 Km langen Tunnels zu einem Problem werden, ging es recht gut hindurch.
Auf der anderen Seite angekommen stellte man begleitet von einem "Ach Du Sch..." fest, dass es mit dem guten Wetter vorbei war. Nach Ende des Tunnels wurden wir von Kälte, tiefen Wolken und Schnee empfangen. Na prima! Der Asphalt war jedoch noch gut zu befahren. An der nächsten Raststätte hielten wir an. Marcus kaufte kurz Zigaretten ein (fast gleicher Preis wie in Deutschland) und holte anschließend seinen Regenkombi aus dem Rucksack. Tja, mein Rucksack ist deutlich kleiner wie seiner und so ist der Regenschutz der Streichliste zum Opfer gefallen.
Nun ja, Augen zu und durch.

Bis zur italienischen Grenze hin, war das Wetter aber noch ok. Gelegentlich fielen ein paar Tropfen, das war es aber dann auch. Kaum an der Grenze angekommen änderte sich das dann. Die Wolkenschleusen öffneten sich und mit reduzierter Geschwindigkeit fuhren wir weiter. Dreimal sollten wir bis Genua an Mautstationen kommen. Die linken Fahrspuren sind dabei jeweils für Karteninhaber ausgelegt. Diejenigen, die bar bezahlen, müssen sich rechts einordnen.

In der Po-Ebene tauchte dann irgendwann ein Hinweisschild auf McDonalds auf, das wir dann ansteuerten. Auf dem Parkplatz angekommen stellten wir fest, dass sich das Gebäude auf der anderen Seite der Autobahn befindet. Ein kleiner Fußweg führt unter der Autobahn dorthin. Da in diesem Moment keine Leute unterwegs waren, fuhren wir kurzentschlossen mit den Mopeds zur anderen Seite und legten erstmal eine Pause ein. Danach ging es dann weiter Richtung Süden.

Kaum waren wir wieder auf der Autobahn fing es wieder heftig an zu regnen an, klar, mögen wir doch als Mopedfahrer, oder nicht?. Es wurde recht gebiergig und somit auch kurvig und wir fühlten uns alles andere als sicher mit unseren Schluffen auf dem Asphalt. Der Verstand trichterte einem immer wieder ein, hier bloß keinen Abgang machen, So sind wir die letzten Kilometer einem mit ca. 50 Sachen fahrenden Lkw hinterher gefahren. Wir kamen in die ersten Vororte von Genua und hielten uns in Richtung "Centro", kamen dann nochmal an einer Mautstation heran und gelangten kurz darauf auf die Hochstraße Richtung Osten.
Die Hochstraße führt direkt an dem langezogenen Hafen vorbei. Na prima, bei der Größe des Hafenareals schien die Suche nach dem richtigen Kai auch keine einfache Sache zu werden. Ich konnte jedoch an einer Stelle ein rotes CTN-Schild ausmachen und dachte mir schon, dass es dort sein könnte.


Es war noch immer voll am regnen und wir wollten uns zunächst ein Hotel zur Übernachtung suchen. Nach dem Ende der Hochstraße fuhren wir noch ein Stück weiter und kamen zu zwei Hotel-Reklameschilder, die uns nach links in eine kleine Straße schickten. Wir fuhren nach dem Abbiegen direkt auf das Hotel Nettuno zu (N 4423489, E00858329). Doppelzimmer gab es nicht mehr. Die Einzelzimmer sollten 35 Euro pro Nase (ohne Frühstück) kosten. Na ja, ein bischen viel für die einfache Ausstattung. In Anbetracht des saumäßigen Regens hatten wir uns aber schnell entschieden, uns dort einzuquartieren, zumal wir die Kisten in der unter dem Haus befindlichen Garage sicher abstellen konnten. Laut Preisliste im Haus sollte das zwar nochmal 10 Euro extra kosten, aber in Rechnung gestellt wurde es uns nicht.


Wir blieben also dort und schlüpften erstmal aus den Klamotten raus, schliefen ein Stündchen und gingen dann am Meer ´ne Pizza essen.


Auf der Fähre

Wir hatten zuhause bereits zwei Tickets für die Carthage gebucht. Am nächsten Tag hatten wir kein Problem, den Kai zur Fähre zu finden. Wie ich es mir bereits gedacht hatte, war es an der Stelle, wo das CTN-Schild auf dem Hafengebäude steht (N4424817, E00854833). Wir kamen an zwei Wärterhäuschen heran und legten unsere Tickets vor. Wir bekamen anschließend die Papiere zur Fähre. Jetzt hieß es nur noch auf die Fähre warten.

Wir schauten uns um, wer sonst noch so alles mitfahren würde. Es waren jedoch erstaunlich wenig andere Mopedfahrer dort. Lediglich 11 Leute auf 10 Bikes, die ohne Reisegruppe unterwegs waren. Die Wartezeit nutze man, um die anderen kennen zu lernen . Also die "typischen" Fragen: was habt ihr vor? Wo wollt ihr hin? Tipps, Infos, Technikdiskussion, etc..

Gegen 15:00 Uhr lief dann die Carthage auch endlich ein. Es dauerte dann nochmal über eine Stunde, bis die an Bord befindlichen Fahrzeuge das Schiff verlassen konnten und man uns dann auffahren ließ. Da wir die ersten an Bord waren, konnten wir hinsichtlich der Spanngurte, die das Bordpersonal in Einkaufswagen bereit stellte, noch aus dem Vollen schöpfen. Es waren jedoch ausreichend Gurte vorhanden um noch ein viellfaches an Bikes zu verzurren. Alle aber meist recht schmutzig und ölgetränkt. Also Handschuhe parat halten oder sich drauf einrichten, dass auf der Kabine erst mal gründliches Händewaschen angesagt ist. Die Mitglieder der Crew sind beim verzurren sehr hilfsbereit und wenn man mit der Verschlusstechnik nicht klar kommt (Physik-Leistungskurs oder Technik-Vordiplom ist hilfreich), helfen sie einem sofort. Über ein Trinkgeld freuen sie sich natürlich!.

Auf der Bordkarte sind zwei Zahlen eingetragen: die erste 4-stellige gibt mit der ersten Zahl das Deck und mit den restlichen drei Zahlen die Kabinennummer wieder. Die zweite Zahl ist der "Securitycode". Für die Kabinen bekommt man keinen Schlüssel, sondern öffnet sie durch drücken der "Geheimnummer". Ist insofern praktisch, da man gleich nach dem Verzurren der Kiste gleich zur Kabine durchstarten kann.


Über die Kabinen wie auch den Rest des Schiffes war ich erstaunt. Ich hatte mir vor der Tour einen eher recht spartanisch eingerichteten Dampfer vorgestellt. Wurde jedoch sehr positiv überrascht: das Schiff gestaltet sich schon eher als "halbes Kreuzfahrtschiff" denn als "primitive" Fähre. Ok die Einrichtungsfarbe der Kabinen ist eher am "arabischen" Geschmack ausgerichtet (Lila und Pink, uääääh!), aber ansonsten kann es auf Kreuzfahrtschiffen auch nicht viel anders aussehen. Es gibt eine Rezeption, 3 Restaurants und mehrere Bars. Das Selbstbedienungsrestaurant hat 2 Menüs zur Auswahl, schmeckten jedoch beide recht dürftig und waren mit 4,90 Euro zu teuer. Eine Dose Bier kostet 2, eine Cola 1,60 und ein Kaffee 1,10 Euro. Im Duty-Free-Shop ist die Stange Marlboro zu 19, L&M zu 12 Euro zu haben. Süßigkeiten und andere Artikel sind deutlich teurer als in Deutschland bzw. Italien. Eine Wechselstube gab es nicht.

Den Abend verbrachten wir mit den anderen Mopedfahrern bei einigen Dosen Heineken. Erst um 21:20 legte das Schiff Richtung Afrika ab.

Habe mir dann schnell Reisetabletten reingeworfen. Eine längere Schiffsfahrt ist für mich eigentlich ein "Horror". Auch wenn es nur wenig bzw. ganz langsam auf und ab schauckelt, mein Magen kann das überhaupt nicht haben und ohne Medizin wäre ich die ganze Zeit nur damit beschäftigt gewesen, die Fische zu füttern. Die Vomex A, die mir meine Schwester mitgegeben hatte, wirkten jedoch sehr gut, trotzdem das Schauckeln auf dem Schiff teilweise heftiger wurde und ein Marsch durch die Gänge ausgesehen haben muss, als hätte ich mindestens 2 Promille intus...

Die Formalitäten hatten wir noch abends erledigt, allerdings erst, nachdem der große "Run" vorbei war. Man braucht sich also nicht zu beeilen. Entweder arbeitet man sich spät abends durch den Papierkram (die Schalter waren noch bis Mitternacht geöffnet) oder am nächsten Tag. Man muss sich also nicht in lange Schlangen einreihen.

Das Prozedere ging wie folgt: man braucht 3 Zettel, einen blauen fürs Moped, einen größeren weißen auch fürs Moped und einen kleineren weißen für seine eigene Wenigkeit. Vordrucke liegen bei den Schaltern bzw. am Fenster bei den Schaltern aus.

Die Zettel füllt man aus und geht mit allen Papieren (Pass, grüne Versicherungskarte, Fahrzeugschein, etc.) los. Zunächst zur Polizei (kleiner Tisch an der Bordwand Steuerbordseite). Ich habe immer alle Papiere vorgezeigt, die Leute suchten sich dann das für sie passende heraus. Dann geht es zum Zoll (Schalter mit 3 PCs). Dort legt man die Papiere beim ersten Zöllner wieder vor. Der gibt sie nach der Bearbeitung seinem Kollegen (in diesem Fall der "Außenkollege"), von dem man einen Computerausdruck erhält (unbedingt auf den Ausdruck warten!). Das war´s. Alle Papiere sind natürlich unbedingt aufzubewahren. Einen internationalen Führerschein wollte keiner sehen, die grüne Versicherungskarte dagegen schon.

Die Nacht konnte ich trotz des Schauckelns gut schlafen, am anderen Morgen wurde mir dann schlecht (würg!). Nachdem ich jedoch eine Tablette eingeworfen hatte, beruhigte sich mein Magen wieder. Das Frühstück im Selbstbedienungsrestaurant fiel nicht sehr üppig aus: ein Stück Brot mit Butter und Konfitüre, ein Stück festen Kuchen, einen Plastikbecher Kaffee, macht zusammen 1,90 Euro.

Da die Fähre recht spät gestartet war, sollten wir natürlich auch mit Verspätung in La Gouletta ankommen. Man kommt von der Fähre zunächst zur Passkontrolle. Anschließend reiht man sich in eine der überdachten Schlangen beim Zoll ein. Dazwischen ist ein Bankschalter, an dem man Geld zum landesüblichen Kurs wechseln kann (verpasst man diese Gelegenheit oder ist er geschlossen, muss man zunächst den Formalitätenkram erledigen, fährt dann aus dem Verwaltungsbereich rd. 200 Meter bis zur Straße heraus, rechts, ca. 500 Meter die Straße entlang, wieder rechts. Man gelangt zum Fussgängereingang der Fähre. Ein steiler Gang führt auf ein Gebäude hinauf, innen gibt es dann eine weitere Geldwechselgelegenheit zu landesüblichen Kursen).


Ein Zöllner klapperte nacheinander uns Mopedfahrer ab, die wir uns in einer Reihe eingegliedert hatten. Ich hatte alle Papiere in meinen Pass gelegt und er bzw. seine nachfolgenden Kollegen fischten sich diejenigen Papiere heraus, die sie brauchten. Die Zöllner warfen jeweils einen kritischen Blick auf unsere Mopeds. Erst durch einige Jeepfahrer erfuhren wir, dass sie nach GPS-Geräten bzw. Halterungen für diese suchten. Es gibt wohl offensichtlich eine neue Regelung, dass die Einfuhr von GPS-Geräten (umständlich und zeitaufwendig) beantragt werden muss bzw. die Geräte beim Zoll abgegeben werden müssen. Hatte allerdings nur einen kleinen Handempfänger bei mir, den ich zum Glück auch noch im Gepäck verstaut hatte. Ich kam somit unbeschadet durch den Zoll. Was am Ende des Prozederes an Papieren übrig bleibt, wird für die Rückfahrt gebraucht und ist natürlich gut aufzubewahren.

Einer aus unserer Gruppe hatte seinen Reisepass zu Hause vergessen und konnte nur seinen Personalausweis präsentieren. Was bei einem Neckermann-Pauschaltouri kein Problem ist, entpuppte sich hier als "Herausforderung" Ohne Hotelreservierung keine Einreise per Moped! Seine Freundin zog also los und besorgte in einem Hotel in Tunis eine Zimmerreservierung für 3 Tage. Insgesamt dauerte das ganze Prozedere einige Stunden, nicht zuletzt aber auch deswegen, weil die Zöllner untereinander jeweils unterschiedlicher Meinung waren, was in welcher Reihenfolge zu passieren hatte.


Hammam Lif

Letztendlich war unsere Gruppe, zu der wir uns an Bord verabredet hatten, komplett und wir konnten starten. Da es bereits dunkel wurde fuhren wir jedoch nur noch bis zu einem Campingplatz, auf dem wir übernachteten. Marcus und ich hatten kein Zelt dabei, konnten dort allerdings für 15 TD einen "Bungalow" mieten. Allerdings: die Matratzen waren in einem erbärmlichen Zustand, das gleiche betraf auch die sanitären Einrichtungen. Und es gab jede Menge Mücken. Das allein wäre ja noch kein Problem gewesen, aber da Tunesien als malariafrei gilt, hatten wir aus Platzgründen auf ein Moskitonetz verzichtet. Es wurde also eine "fröhliche" Nacht ...


Am nächsten Morgen fuhren Marcus, Gunter und ich los Richtung Sbeitla. Schien zu Anfang noch die Sonne, so verdichteten sich die Wolken mit der Zeit. Nachdem wir die richtige Straße Richtung Kairouan gefunden hatten, kamen wir mit durchschnittlich 110 Sachen recht zügig voran. Unterwegs einige Male kurz angehalten, entweder um einen Kaffee einzuwerfen, bzw. einmal auch um die Regenklamotten rauszuholen. Es gab jedoch nur einmal kurz ein Schauer und danach blieb es trocken.

 

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