Tabarka
Das Hotel, das wir gebucht hatten, fanden wir dann recht
schnell. Allerdings stellte ich beim Absteigen vom Moped schon fest, dass der Fuß
mitlerweile so dick angeschwollen war, dass ich kaum laufen konnte. Ich gab Marcus deshalb
die ganzen Unterlagen in die Hand und blieb bei den Mopeds zurück.
Nach einigen Minuten kam er mit sorgenvoller Miene zurück und berichtete, dass für uns
keine Hotelreservierungen vorlagen. Ach du Sch..., das fehlte natürlich auch noch. Das
zwei Deutsche kämen, wußte man im Hotel nicht, sie hätten wohl eine Anmeldung für zwei
Engländer. Außerdem sei die angegebene Telefonnummer in den Unterlagen nicht ihre
sondern das wäre eine Nummer in Hammamet.
Ich denke, oh nein, und erinnerte mich daran, dass ich vor der Tour bei lastminute.com
angerufen hatte, da auf den Internetseiten zwar gesagt wurde, dass das Hotel in Tabarka
wäre, die Adresse im Text gab allerdings Hammamet an. Man hatte bei lastminute.com
nachgehakt und mir versichert, dass das Hotel in Tabarka wäre und hat mir die
entsprechende Adresse gegeben. Also per Handy bei lastminute angerufen und der
freundlichen Frauenstimme am anderen Ende die Lage erklärt, wir reichten das Handy dann
zur Geschäftsführerin des Hotels weiter, die sich dann auch noch mit der Frau
unterhielt. Das Ende vom Lied: nach gut einer Stunde und zwei Bestätigungfaxe war die
Sache geregelt und wir konnten unser Zimmer beziehen, wobei ich die letzten Meter wegen
der Schmerzen nur noch auf einem Bein gehüpft bin.
In unserem Zimmer bin ich dann erstmal aus den Klamotten geschlüpft und habe mir den
Knöchel angesehen: von außen war nichts zu erkennen, außer zwei kleinen Kratzern an der
Innenseite, aber der ganze Fuß war mittlerweile mächtig dick geschwollen. Die Leute vom
Hotel boten sofort an, einen Arzt kommen zu lassen. Ich lehnte allerdings dankend ab, da
ich gehofft hatte, dass es nur eine Verstauchung war, die in den nächsten zwei Tagen wohl
abklingen würde.
Nun ja, es war das erste Mal bei unseren nun doch schon zahlreich unternommenen Touren,
dass wir in einem 4 Sterne Hotel untergebracht waren und ich hatte nichts davon. Die
nächsten Tage war ich damit beschäftigt, meinen Fuß ruhig auf dem Bett und immer schön
kühl zu halten, mich möglichst nicht zu bewegen und zu hoffen, dass es möglichst
schnell wieder besser würde.
Aber auch nach zwei Tagen war keine Besserung in Sicht. Unsere ursprüngliche Absicht,
nach Bizerte weiter zu fahren, ließen wir fallen. Statt dessen hängten wir noch einen
weiteren Tag in unserem Hotel dran, wobei man uns einen Sondertarif einräumte. Gut,
letztlich mußten wir überlegen, wie es weiter gehen sollte. Verständlich, dass ich es
vermeiden wollte, per Krankenflieger nach Hause zurück zu kehren. Die Schwellung war nach
zwei Tagen etwas abgeklungen und ich probierte es aus, mit zwei elastischen Wickeln in den
Schuh zu kommen. Der Fuß passte mit den Wickeln so eben noch rein. Der Schuh gab auch ein
Stück Seitenhalt und so konnte ich zumindest langsam laufen, na ja, es war mehr ein
humpeln. Mit dem Fahren klappte es dann auch: wenn ich das Bein über die Sitzbank
bekommen hatte und den Fuß auf die Raste auflegen konnte, ging es. Nun ja, nicht schön,
aber es ging. Blieb natürlich noch die Sicherheitsfrage: konnte ich damit zur Not auch
bremsen? Auch das bekam ich hin, zwar nicht mehr so gut dosiert wie mit einem gesunden
Bein, aber schließlich hat die Kiste ja auch noch ABS. Damit, so dachte ich, kannst Du es
riskieren. Klar, dass man sich natürlich auch vornimmt, besonders vorsichtig zu fahren.
Also, auf ging es nach Tunis, das wir auch ohne Schwierigkeit erreichten. Es war aber eine
längere Kurverei, bis wir ein Hotel fanden. Nachdem aber auch das erledigt war, war ich
für den Rest des Tages wieder mit Bein-ruhig-halten, kühlen, etc. beschäftigt.
Da die Fahrt bis Tunis ganz gut geklappt hatte, entschloss ich mich, auch den Rest bis
nach Hause durchzufahren. Nachdem uns die Fähre wieder bis Genua gebracht hatte, sind wir
noch bis in die Schweiz und von dort aus am nächsten Tag bis nach Hause gefahren.
Sonntagnachmittags war ich wieder zuhause.
Bin dann am nächsten Tag zum Arzt gefahren, der sogleich ein paar Röntgenaufnahmen vom
Fuß gemacht hat. Mit einem Blick darauf sagte er mir, dass mein Außenknöchel gebrochen
und verbogen war und ich nicht um eine OP herum käme, bei der man die beiden Enden per
Metallplatte und ein paar Schrauben wieder justieren konnte.
Tja, so bin ich noch am selben Tag ins Krankenhaus eingeliefert worden. Drei Tage gab man
dem Fuß noch zum Abschwellen, dann wurde operiert. Die OP ist ganz gut gelaufen und nun
warte ich darauf, dass ich wieder laufen kann. Das wird aber noch ein "bischen"
dauern: 6 Wochen darf ich mit dem Fuß nicht auftreten und danach heißt es wieder Laufen
lernen!
Mittlerweile bin ich wieder aus dem Krankenhaus raus, sitze nun vor meinem PC, den Fuss
hochgelegt und schreibe diesen Bericht.
Fazit
Die ersten zwei Wochen waren Top! Mit der Kiste über die Sandpisten zu fahren, hat mir
unheimlich viel Spass gemacht. Tunesien ist für Mopedfahrer ein sehr interessantes Land,
einfach per Fähre hinzukommen und die Mopeds ins Land zu bekommen ist recht problemlos.
Im Land selbst kann man überall herfahren, nicht an einer Stelle habe ich irgendwo ein
Verbotsschild gesehen (also das Gegenteil von Deutschland, hier gibt's eines bei jedem
noch so kleinen Wiesen- und Ackerweg)
Mein Ärger ist mittlerweile auch verflogen. Ich denke mir, dass ich noch Glück im
Unglück hatte und dass es genug Menschen gibt, die es weit schlimmer getroffen hat. Das
hilft.
Also, wenn Ihr auch mal wieder mit Moped los wollt: paßt auf Euch auf!!!
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